Interview

Seit 2005 begleitet BeWoRuhr – früher BeWo-Borbeck– Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen oder geistigen Behinderungen im Alltag. Dabei stellen Klienten und Angehörige den Beratern immer wieder die gleichen Fragen, diese möchten wir hier beantworten.
Interview mit Geschäftsführer Dietmar Sommer:

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Herr Sommer, welche Bedeutung hat der Leuchtturm im Logo von BeWoRuhr?

Der Leuchtturm stellt für uns einen Wegweiser dar. Ob dieser als Angebot zur Orientierung genutzt wird oder nicht, bleibt eine freie Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Der Leuchtturm kann als Startpunkt für einen neuen Weg genutzt werden.

Der Fachbegriff für eines Ihrer Angebote lautet „Ambulant Betreutes Wohnen“. Sie und Ihre Mitarbeiter sagen aber lieber „begleiten“ statt „betreuen“. Weshalb?

Grundsätzlich wäre die Formulierung „betreuen“ ebenfalls richtig. Wir nutzen aber gern das Wort „begleiten“, um unsere Arbeit von der des gesetzlichen Betreuers oder der gesetzlichen Betreuerin abzugrenzen. Der Unterschied liegt klar darin, dass wir grundsätzlich gemeinsam mit der Klientel handeln und nicht stellvertretend für sie tätig werden.

Wie findet Ihre Klientel zu Ihnen?

Oft durch Empfehlung von einem zum anderen, auch von Ärzten oder Kliniken oder anderen Sozialen Diensten.

Mit welchen Organisationen sind Sie vernetzt?

Vor Ort mit dem Unterarbeitskreis BeWo und verschiedenen Diensten der Stadt Essen. Dann mit der Arbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrie Rheinland e.V. und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V..

Klienten von BeWoRuhr können in Gruppenangeboten auch gemeinsam kochen, klettern oder spielen. Was hat das mit dem Thema Wohnen zu tun?

Bei unserer Arbeit geht es zunächst natürlich um Aktivitäten innerhalb der Wohnung der Klientel. Von dort ausgehend aber dann auch außerhalb, im sozialen Umfeld. Eine Wohnung kann einen Ruhe- und Rückzugsort für die Klientel darstellen, sollte aber keine Burg sein, in der man sich einschließt. Um am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können, was ein wichtiges Ziel unserer Arbeit ist, muss der Klient seine Wohnung verlassen können, Orte aufsuchen, an denen sich gesellschaftliches Leben abspielt und von dort auch in seine Wohnung zurückkehren können.

Welche Vision haben Sie für Ihre Einrichtung?

Wir wollen weitere Angebote entwickeln, die das Leben in den eigenen vier Wänden trotz Hindernissen im Alltag ermöglichen und sichern helfen.

Und zum Schluss: Wie endet die Begleitung durch BeWoRuhr?

Die Arbeit endet dann, wenn der Klient die Hilfe nicht mehr benötigt. Die Arbeit wird in der Regel für ein oder zwei Jahre bewilligt, anschließend wird geprüft, ob erneut ein Hilfeplan erarbeitet werden muss, oder ob die Klientel mittlerweile ohne unsere Hilfe zurechtkommt. Im Idealfall haben wir uns selbst überflüssig gemacht.